10. September 2015 Ulrich Rothtauscher

Westfalenpost WP und Westfälische Rundschau WR fragen, Landratskandidat Helmut Kanand (DIE LINKE.) antwortet:

Helmut Kanand Landratskandidat DIE LINKE. Ennepe Ruhr Kreis

Helmut Kanand Landratskandidat DIE LINKE. Ennepe Ruhr Kreis

Interview der Westfälischen Rundschau/Westfalenpost mit dem Landratskandidaten DIE LINKE. Ennepe Ruhr Kreis, Helmut Kanand.


WP/WR:

Abseits der Plakatierungen und einiger öffentlicher Termine verläuft der Wahlkampf um das Amt des Landrats ausgesprochen ruhig. Wieso verhalten Sie sich vor der Wahl so zurückhaltend?

Landratskandidat Helmut Kanand:
Die Wahl einer neuen Landrätin oder eines neuen Landrates ist für viele Menschen unbedeutender als die Wahl einer Bürgermeisterin oder eines Bürgermeisters.
Es ist zu wenig bekannt, dass der Landrat vereinfacht gesagt so etwas wie ein Bürgermeister für den Ennepe-Ruhr-Kreis ist.
Der Landrat leitet die Kreisverwaltung und die Kreispolizei.
Er hat den Vorsitz im Kreistag und sorgt für die Umsetzung seiner Beschlüsse.
Außerdem repräsentiert der Landrat den Ennepe-Ruhr-Kreis. 
Weil viele die Aufgaben eines Landrates nicht kennen, interessieren sie sich  nicht dafür.
Deshalb berichten auch die Zeitungen lieber über die Bürgermeisterwahlen.
Weil es also kein großes öffentliches Interesse an der Landratswahl gibt, verläuft der Wahlkampf  zurückhaltend.
Umso wichtiger ist es, dass Sie ihr  demokratisches Wahlrecht nutzen und wählen gehen! Demokratie braucht Beteiligung.

WP/WR:
Skizzieren Sie bitte kurz, warum Sie die beste Wahl für den Chefposten im Kreishaus sind.

Landratskandidat Helmut Kanand:

Konsequent sozial!
Das ist mein Leitspruch zur Landratswahl. Das ist aber auch schon seit 6 Jahren meine Leitlinie im Kreistag.
Zum Beispiel beim Ausbau der Arbeitslosenberatung und der Förderung der Beratung von Frauen, die von Gewalt betroffen sind.
Oder beim Sozialticket in Bus & Bahn für Hartz-4-Empfänger.
Alle anderen Parteien, auch der Landratskandidat von SPD, GRÜNEN und FDP, haben diese Anträge im Kreistag abgelehnt.
Jede Stimme für mich ist eine Stimme für soziale Gerechtigkeit.
Berufliche Führungserfahrung mit Personalverantwortung und Budgetverantwortung in Millionenhöhe habe ich 15 Jahre als Leitender Angestellter eines Großunternehmens mit über 1000 Beschäftigten gesammelt.
Es ist gut, wenn ein Landrat vorher beruflich nicht nur im Dunstkreis seiner Partei gearbeitet hat.
Ich bin verheiratet und habe 3 erwachsene Söhne. Berufs- und Lebenserfahrung können helfen, als Landrat die Sorgen der Menschen nicht zu vergessen.

WP/WR:
Die finanziellen Probleme der Städte sind auch die des Kreises. Wie wollen Sie den finanziell angeschlagenen Kommunen helfen?

Landratskandidat Helmut Kanand:
Die Schulden der Städte steigen trotz des „Stärkungspaktes“ der Landesregierung.
Das ist die Folge bundes- und landespolitischer Entscheidungen. Alle Bundesregierungen, ob mit CDU, SPD, GRÜNEN oder FDP, haben die Steuern für Spitzenverdiener und Unternehmen gesenkt und die öffentlichen Kassen ausgetrocknet. In den Städten erhöhen diese Parteien dann die Grundsteuer B für alle Mieter und Hausbesitzer oder die Gewerbesteuer in schwindelerregende Höhen.
Die überschuldeten Städte brauchen stattdessen einen Schuldenerlass und einen größeren Anteil an den Steuereinnahmen.
Alle Aufgaben, die ihnen von Bund und Land übertragen werden, müssen von diesen auch vollständig bezahlt werden, aktuell zum Beispiel die Flüchtlingsunterbringung.
Als Landrat werde ich mich besonders für eine solche kommunale Finanzreform einsetzen.

WP/WR:
Was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Themen, die der Ennepe-Ruhr-Kreis während der kommenden Wahlperiode bearbeiten muss und wie wollen Sie diese angehen?

Landratskandidat Helmut Kanand:
Flüchtlinge, Inklusion und Klimawandel sind zentrale Themen der nächsten Jahre.
So lange es Kriege und Verfolgung gibt, werden Menschen um ihr nacktes Leben fliehen und auch bei uns Schutz suchen.
Deshalb wird die menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen, ihre Integration in unsere Gesellschaft und besonders die Aufnahme der Flüchtlingskinder in unsere Schulen  eine wichtige Aufgabe bleiben.
Die Inklusion, die Aufnahme behinderter Kinder in die allgemeinen Schulen, kann nur gelingen, wenn es  mehr und dafür besser ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer gibt.
Als Folge des Klimawandels werden wir immer häufiger Unwetterkatastrophen erleben.
Deshalb werde ich mich für einen „Maßnahmenplan Klimawandel EN“ einsetzen, der die Gefahren analysiert und Schutzmaßnahmen umsetzt, zum Beispiel gegen Starkregen und  Überflutungen.

WP/WR:
Sind aus Ihrer Sicht Neustrukturierungen der Kreisverwaltung, des Jobcenters, der Polizei und VER etc. notwendig und wenn ja, welcher Art?

Landratskandidat Helmut Kanand:
Die Kreisverwaltung ist im Grundsatz gut aufgestellt.
Das Jobcenter EN ist ein Amt des Kreises geworden, was wir LINKEN von Beginn an gefordert haben.
Mit dem geplanten Neubau in Schwelm erhält es im Südkreis eine zentrale Anlaufstelle. Die Kreispolizei muss bleiben, weil die Menschen die Nähe und das Vertrauen zu ihrer Polizei brauchen.
Zur Zeit wird im Kreis geprüft, ob und wie VER und BOGESTRA ab 2019 stärker zusammenarbeiten.
Richtig geplant und umgesetzt kann das vorteilhaft sein für ein gutes und kostengünstiges Angebot von Bus und Bahn im Kreis und für die Arbeitsplatzsicherheit der Beschäftigten der VER.