CCS - Funktioniert das wirklich?
Änderungsantrag 3 Die Linke zum TOP "Handlungskonzept Klimaschutz 2030": Keine Berechnung mit CCS für Klimaneutralität
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Herr Bürgermeister,
hiermit stellen wir folgenden Änderungsantrag zum Tagesordnungspunkt „Handlungskonzept Klimaschutz 2030“:
„Klimaneutralität wird im Handlungskonzept Klimaschutz 2030 der Stadt Witten ausschließlich ohne Carbon Capture and Storage (CCS) errechnet und erreicht.
Die Berechnungen und Tabellen werden entsprechend verändert und angepasst.“
Begründung:
Die Techniken des Carbon Capture and Storage (CCS) beinhalten als ersten Schritt das technische Abscheiden von CO2 (Kohlenstoffdioxid) aus Abgasen von Kraftwerken, Müllverbrennungsanlagen und industriellen Anlagen wie z.B. Zementwerken. Das CO2 wird anschließend in einen flüssigkeitsähnlichen Zustand (überkritisches Kohlenstoffdioxid) versetzt und primär über Rohrleitungen zu unterirdischen Lagerstätten transportiert. Dort wird es in geologische Formationen verpresst.
Eine Variante ist die Verpressung in poröse, mit stark salzhaltigem Wasser gefüllte Gesteinsformationen, sogenannte saline Aquifere. Bei diesen salinen Aquiferen kann das vom CO2 verdrängte Salzwasser in höhere Gesteinsschichten aufsteigen, ins Grundwasser gelangen und es verunreinigen und versalzen.
Eine weitere Variante ist die von der Öl- und Gasindustrie favorisierte Verpressung in Öl- und Gaslagerstätten, deren Fördermöglichkeiten mit herkömmlichen Techniken erschöpft sind. Diese können durch die CO2 -Verpressung weiter ausgefördert werden (Enhanced Oil Recovery [EOR] und Enhanced Gas Recovery [EGR]). Damit verlängert CCS das fossile Zeitalter und steigert den Einsatz fossiler Energieträger. Dabei kann es auch zum unkontrollierten Austritt von Methan, welches deutlich klimaschädlicher als CO2 ist, kommen. Durch die Freisetzung des erstickend wirkenden und Gewässer versauernden CO2 können Mensch und Umwelt geschädigt werden.
Bis heute konnte in keinem Modellversuch nachgewiesen worden, dass das CO2 dauerhaft und sicher in diesen CO2 -Deponien verbleibt. So kann es beispielsweise durch geologische Störungszonen wieder entweichen. Zuverlässige und aussagekräftige Monitoringkonzepte liegen nicht vor. Zudem gibt es keine Strategien, wie ein weiteres Entweichen in diesen Fällen verhindert werden kann. Eine Langzeitsicherheit kann nicht garantiert und belegt werden. CCS ist keine sichere Technik. Die bisher gescheiterte Endlagersuche für Atommüll zeigt außerdem, wie schwierig es ist, ein sicheres Lager für Millionen von Jahren zu finden ist.
In dem Moment, in dem das eingespeicherte CO2 entweicht, gelangt das Treibhausgas in die Atmosphäre und verstärkt die Erderwärmung. Die scheinbare CO2-Neutralität aufgrund der Abscheidung und Einlagerung existiert so lediglich „auf dem Papier“.
CCS wird im Handlungskonzept Klimaschutz als Element zum Erreichen von Klimaneutralität benannt u. a. in Kapitel 5: Klimaneutrales Witten, S. 27, Anm. 3.
Gemäß der Diskussion zu Beginn des Kapitels 6 des Handlungskonzepts Klimaschutz 2030 zu Klimaneutralität soll diese durch „natürliche und künstliche Wege“ erreicht werden. Als ein künstlicher Weg ist ja bereits in Anmerkung 3 des Handlungskonzepts Klimaschutz 2030 CCS genannt worden. Es ist davon auszugehen, dass alle Berechnungen für die THG-Emissionen bzw. die Kompensation in den folgenden Grafiken, z. B. in Abbildung 11 auf Seite 32 auch CCS beinhalten.
Um echten Klimaschutz ohne Risiken für die zukünftigen Generationen zu erreichen, sollte daher auf CCS im Handlungskonzept Klimaschutz verzichtet werden.
Mit freundlichen Grüßen
Oliver Kalusch Ulla Weiß
(Ratsmitglied) (Fraktionsvorsitzende Die Linke)
Die Linke
Ratsfraktion Witten
Fraktionsbüro:
Rathaus
Marktstr. 16, 58449 Witten
Raum E.81-N
Tel. : (02302) 581-1085
ratsfraktion@die-linke-witten.de
ratsfraktion.die-linke-witten.de
Bürger:innensprechstunde:
Termine auf Anfrage

