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Redebeitrag

Nachnutzung des ehemaligen Wildschweingeheges am Hohenstein

Stefan Borggraefe

Gestern im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Klima gab es eine deutliche Mehrheit für den Vorschlag der Verwaltung, dort in Zukunft eine Fläche mit selteneren Baumarten als Erweiterung des Baumlehrpfades einzurichten. 🌳🥾

Nachdem kurzfristig eine Online-Petition für eine Fortsetzung der Wildschweinhaltung entstand, hatte die CDU und kurz drauf die sog. Alternative wenige Stunden vor der Sitzung eilig Änderungsanträge eingereicht. Beide hatten sie fälschlicherweise als „Dringlichkeitsantrag“ tituliert, obwohl es Anträge zu einem regulären, lange bekannten Tagesordnungspunkt waren – hat die AfD da abgeschrieben? 🤔 Beide forderten, dass die Stadt dort weiterhin Wildschweine halten sollte.

Hier mein Redebeitrag zu dem Thema, mit dem ich begründet habe, warum meine Fraktion Die Linke das neue Konzept der Verwaltung unterstützt:

 

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,

meine Damen und Herren,

ich möchte im Folgenden ausdrücklich die Planung der Verwaltung unterstützen. Als Ergänzung dieser Planung, möchte ich dabei noch eine Anregung einer Wittener Bürgerin übermitteln, die auf den Rollstuhl angewiesen ist und darum bitten, bei der Neugestalung der Fläche an die Barrierefreiheit zu denken. Hier gibt es auch an anderen Stellen am Hohenstein sicher noch viel zu tun.

Nun ein paar Worte zum Thema Wildschweinhaltung: Die Debatte wird derzeit stark unter dem Gesichtspunkt der Tradition geführt. „Das war schon immer so“ – und viele Menschen verbinden persönliche Erinnerungen mit dem Wildschweingehege.

Das kann ich nachvollziehen. Das kann ich sogar nachfühlen.

Tradition allein ist aber kein Argument, wenn sie dauerhaft Tierleid produziert.

Wir reden hier nicht über Artenschutz, sondern über eine Haltung, die systematisch zur Tötung gesunder Tiere führt.

Es gab einen großen Aufschrei, als plötzlich alle Tiere aufgrund der Schweinepest erschossen werden mussten und das Gehege leer war. Hier wurde aber nur offensichtlich sichtbar, was tatsächlich schon immer Teil dieser Haltungsform war. Denn die Tötung von Tieren war kein Ausnahmefall. Sie war systembedingt. Die Tiere vermehrten sich 1 bis 2 Mal jährlich, haben große Würfe und keine natürlichen Feinde. Dies führt dann zwangsläufig zu Überbesatz, Stress, innerartlichen Konflikten und macht letztlich die regelmäßigen Tötung von Tieren notwendig. Eine Tierhaltung, bei der strukturell jedes Jahr gesunde Tiere getötet werden müssen, ist aber kein pädagogisches Naturerlebnis, sondern ein dauerhaftes Tierschutz- und Managementproblem.

Ich freue mich besonders darüber, dass die Verwaltung in ihrer Mitteilung deutlich macht, dass Tierhaltung zum Zweck der Zurschaustellung nicht mehr zeitgemäßg ist. Tiere sind Mitgeschöpfe und keine Ausstellungsobjekte!

Wenn wir heute neu entscheiden müssten – würden wir unter diesen Bedingungen ein Wildschweingehege überhaupt noch einrichten? Würden wir auch angesichts der finanziellen und personellen Situation der Stadt von ihr verlangen, sie solle als neue Aufgabe mit der Haltung von Wildschweinen beginnen? Wenn wir heute mit einem weißen Blatt Papier anfangen würden und jemand vorschlagen würde: „Lasst uns ein Gehege bauen, Tiere einsperren und jedes Jahr einen Teil von ihnen wieder erschießen.” Ich bin mir sicher, dass so ein Antrag keine Mehrheit finden würde!

Die Verwaltung schlägt stattdessen etwas vor, das ich ausdrücklich für zukunftsorientiert halte: Eine klimaresiliente Versuchsfläche mit seltenen Baumarten und die Erweiterung des Baumlehrpfades.

Das verbindet Klimaanpassung, Bildung und Naherholung –

ohne dass Tiere eingesperrt und regelmäßig getötet werden müssen.

Wir ersetzen also kein Ausflugsziel durch „nichts“.

Wir entwickeln die Fläche weiter – ökologisch sinnvoll und zeitgemäß.

Traditionen verdienen Respekt. Aber sie dürfen uns nicht daran hindern, bessere Entscheidungen zu treffen, wenn sich die Rahmenbedingungen verändert haben und sich das Verhältnis zwischen Mensch und Tier weiterentwickelt.

Ich halte die vorgeschlagene Nachnutzung daher für konsequent, verantwortungsvoll und auch im Sinne eines modernen Tierschutzverständnisses für richtig!

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Letztlich stimmte nur CDU und die angebliche Alternative für den Antrag der CDU. Für den Antrag der faschistischen Partei stimmten nur ihre Ausschussmitglieder.

Foto: CC-BY-SA 3.0 von Островский Александр, Киев

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